C/O Berlin Talent Award 2026
C/O Berlin freut sich, die Gewinner:innen des C/O Berlin Talent Award 2026 im Rahmen des diesjährigen Themas Body Politics bekanntzugeben. Der Gewinner in der Kategorie Artist ist Amin Yousefi (*1996, Iran). Seine ausgezeichnete Arbeit Defensive Readiness: Revised Version wird in einer Einzelausstellung vom 13. Feb – 2. Jun 2027 bei C/O Berlin im Amerika Haus präsentiert.
Auf der Short List 2026 stehen die Künstler:innen Nicolás Bernal (*2000, Kolumbien), Debora Brune (*1996, Deutschland), Bimal Fabbri (*1993, Nepal) und Ashley McLean (*1996, USA).
Der C/O Berlin Talent Award 2026 in der Position Writer geht an Maxi Wallenhorst (*1993, Deutschland). Sie wird einen theoretischen Essay verfassen, der sich mit dem Gewinner-Projekt auseinandersetzt, und dieses im Diskurs rund um das Thema Body Politics verorten. Gemeinsam mit einem Interview mit dem Künstler wird dieser anlässlich der ersten Einzelausstellung von Amin Yousefi in einer monografischen Publikation von C/O Berlin herausgegeben.
In einer Zeit, die von politischen Unruhen und Ängsten rund um Grenzen, Überwachung und körperliche Selbstbestimmung geprägt ist, untersucht der Fotokünstler Amin Yousefi in seinem Projekt Defensive Readiness: Revised Version (2025) wie Machtsysteme durch den Körper vergegenwärtigt werden. Durch die Kombination von Fotografie mit schematischen Linienzeichnungen und kartografierten Gesten zeichnet Yousefi nach, wie visuelle Sprachen staatlicher Anweisungen und Kontrolle verbreitet, erlernt und verinnerlicht werden. Die Jury war besonders beeindruckt von der Art und Weise, wie Yousefi das Material einsetzte, um die anhaltenden Auswirkungen staatlicher Macht in den Vordergrund zu rücken und aufzudecken, wie Kontrollsysteme in Formen sozialer Konditionierung aufgenommen werden.
Amin Yousefi (*1996, Iran) ist ein in London lebender Autor, Kurator und bildbasierter Künstler. Als Sohn einer Familie aus Abadan im Chuzestan, deren Leben durch den Iran-Irak-Krieg und dessen Folgen geprägt wurde, untersucht Yousefis Arbeit Fotografie und Archiv im Zusammenhang mit sozialen und politischen Dimensionen. Dabei richtet er den Fokus auf Bildproduktion, Macht und verkörperte Erfahrung in Südwestasien. In seinen fotografischen, textbasierten und installativen Arbeiten setzt er sich mit archivalischen Metaphern auseinander, die mit Ausgrenzung und Rekonstruktion verbunden sind. Er ist Träger des Royal Photographic Society Award for Achievement in the Art of Photography. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem im Museum Kunstpalast Düsseldorf, Foam Fotografiemuseum Amsterdam, Fotografisk Center Kopenhagen sowie der Deutschen Börse Photography Foundation in Frankfurt.
Maxi Wallenhorsts Forschung und Kunstkritik befassen sich mit Fragen von Gender, Körper und Macht. Dabei schafft sie unerwartete und produktive Verbindungen zwischen anekdotischen Beobachtungen der Gegenwart und komplexen theoretischen Diskursen. Wallenhorsts kritische Auseinandersetzung mit der globalen Krise der Maskulinität erweitert die Themen aus Defensive Readiness: Revised Version von Amin Yousefi. Die Positionen verbindet die Beschäftigung mit der Disziplinierung des Körpers durch autoritäre Systeme, Ideologie und Staatsgewalt.
Maxi Wallenhorst (*1993, Deutschland) lebt und schreibt in Berlin. Sie promoviert an der Leuphana-Universität Lüneburg zu Formen des Unpersönlichen in queeren und trans Poetiken. Ihre Forschungsinteressen sind unter anderem Psychoanalyse, queerer Marxismus und ästhetische Theorie. Sie arbeitet derzeit an einem Roman. Zuletzt erschienen Texte in der Berlin Review und im e-flux journal.
Die Jury, bestehend aus Veronika Epple (Kuratorin, C/O Berlin), Sophia Greiff (Co-Programmleitung / Kuratorin, C/O Berlin), Marit Lena Herrmann (Kuratorin, Fotoarsenal Wien), Julia Hürner (Alexander Tutsek-Stiftung, nicht stimmberechtigt), Tarrah Krajnak (Fotografin), Anna-Sophie Springer (Kuratorin und Verlegerin, K Verlag) und Bindi Vora (Senior Curator, Autograph London), hat den diesjährigen Artist-Gewinner und die Short List benannt. Mehr als 500 internationale, aufstrebende Künstler:innen aus 67 Ländern haben ihre Arbeiten eingereicht.
Die Jury für die Wirter-Position, bestehend aus Veronika Epple (Kuratorin, C/O Berlin Foundation), Sophia Greiff (Co-Programmleitung/ Kuratorin, C/O Berlin Foundation) und Moshtari Hilal (Künstlerin, Kuratorin und Autorin), hat aus einer Vielzahl internationaler Einreichungen einstimmig entschieden.
In seinem fortlaufenden Projekt Zero Feathers (2025) verarbeitet Nicolás Bernal (*2000, Kolumbien) autobiografische Erfahrungen von Gewalt, Ausgrenzung und Fremdbestimmung, die er als indigene, queere Person im kolumbianischen Kontext erfahren hat. Ausgangspunkt sind Erinnerungen an die Stigmatisierung seines als „feminin“ interpretierten Äußeren, die seine Beziehung zum eigenen Körper früh geprägt haben. In fotografischen Interventionen in sein Familienarchiv stellt er historisches Bildmaterial inszenierten Selbstporträts gegenüber und schreibt auf diese Weise seine Erinnerungen um. Während die Archivbilder von kolonialen, militärischen und religiösen Machtstrukturen durchdrungen sind, eröffnen die Fotografien die Sicht auf den Körper als Ort der Fürsorge, Heilung und Selbstermächtigung.
In ihrer Serie UNCOOL (2026) versammelt Debora Brune (*1996, Deutschland) Porträts von Menschen mit sichtbaren und unsichtbaren Beeinträchtigungen. Damit richtet sie den Blick auf Körper, die in öffentlichen Bildräumen – etwa in der Mode-und Werbefotografie sowie auf sozialen Medien – unterrepräsentiert sind. Ausgehend von ihrer eigenen Perspektive als Rollstuhlnutzerin hinterfragt Brune gängige Vorstellungen davon, welche Körper als normgerecht oder begehrenswert gelten. In ihren Aufnahmen erscheinen die Porträtierten in einer starken, oft coolen Präsenz, die individuelle Ausdrucksformen sichtbar macht und gängige Zuschreibungen unterläuft. Beeinträchtigungen werden dabei nicht kaschiert, sondern als selbstverständlicher Teil von Identität und Selbstbestimmung in Szene gesetzt.
Bimal Fabbri’s (*1993, Nepal) Projekt Outsiders Within (2022–ongoing) untersucht die Komplexität seiner Identität als transnational adoptierte Person. Geboren in Nepal, wurde er im Alter von sieben Jahren zum Waisen und anschließend von einer italienischen Familie in Mailand adoptiert. Fabbris Fotografien sind eine poetische Auseinandersetzung mit den Bedeutungen von Familie und Zugehörigkeit, bei denen Blutsverwandschaft, Herkunft, Ethnizität, Kultur und Sprache auf den Kopf gestellt und hinterfragt werden. Die Fotografien zeigen unterschiedliche Zugänge zum Medium Fotografie und vermeiden eine direkte Dokumentation. Dadurch können Betrachter:innen die Tiefe der Fragestellungen der Serie sowie die fortdauernde Suche danach nachvollziehen, was es bedeutet, sich im eigenen Körper als Außenseiter:in zu fühlen.
In der Serie Seeking you in other bodies… (2020–2024) thematisiert Ashley McLean (*1996, USA) Körperpolitik in einer Atmosphäre subtiler, fast schwebender Zärtlichkeit. Die hier fotografierten jungen Männer werden so in Szene gesetzt, dass Verletzlichkeit, Berührung und Selbstbeherrschung spürbar werden, ohne dass sie zum Spektakel werden. Entgegen dem hartnäckigen Stereotyp Schwarzer Männlichkeit als hart, bedrohlich oder emotional unzugänglich, stellen Ashley McLeans Porträts die Sanftheit als eine Form der Präsenz und des Widerstands in den Mittelpunkt. Zugleich von großer innerer Ruhe und verletzlicher Offenheit geprägt, schafft die Fotografin ein kontemplatives Gegenbild: eines, in dem Schwarze Vaterschaft, Männlichkeit, Haut, Einsamkeit und Fürsorge atmen dürfen.