Stelios Kallinikou

Cliffs Among Dreams . After Nature Prize 26
12. Sep 2026 – 20. Jan 2027
Kneeling Flamingo, 2026
© Stelios Kallinikou

In seiner Arbeit setzt sich der zypriotische Künstler Stelios Kallinikou (*1985, Zypern) mit der Halbinsel Akrotiri im Süden Zyperns auseinander. Seit mehr als einem Jahrzehnt fotografiert und filmt er ein Gebiet, in dem ökologische Vielfalt und militärische Nutzung eng miteinander verbunden sind. Akrotiri ist eine sogenannte Sovereign Base Area, ein Gebiet, das Großbritannien auch nach der Unabhängigkeit Zyperns 1960 unter eigener Hoheit behielt. Bis heute betreibt die Royal Air Force dort einen Luftwaffenstützpunkt. Gleichzeitig befindet sich hier mit dem Akrotiri-Salzsee das größte natürliche Binnengewässer der Insel, ein bedeutendes Feuchtgebiet und Rastplatz für Zugvögel. 

 

Kallinikous Fotografien zeigen Widersprüche, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Flamingos rasten im Salzsee, während am Ufer Antennen und Radaranlagen in den Himmel ragen. Vögel, Insekten, Gesteinsformationen und Wasserflächen treffen auf militärische Infrastruktur, Zäune und Flugverkehr. Die britische Militärbasis erscheint dabei nicht als architektonische Anlage, sondern prägt, wie Akrotiri gesehen, betreten und verstanden werden kann. Das Sichtbare verweist zugleich auf das, was unter militärischer Geheimhaltung verborgen bleibt. 

Gate, 2026
© Stelios Kallinikou
Palm Tree, 2023
© Stelios Kallinikou

Die Ausstellung verbindet Fotografien, Film und skulpturale Assemblagen und nähert sich Akrotiri als einer Landschaft, die zum Territorium geworden ist. Kallinikous Weg führt vom Hafen in Limassol über den Salzsee bis zu den Klippen von Aetokremnos, einer der wichtigsten archäologischen Fundstätten Zyperns. So treffen in seiner Arbeit gegenwärtige geopolitische Fragen auf erdgeschichtliche Zeiträume und Motive von Migration, Zugehörigkeit und Aussterben – vor dem Hintergrund einer Insel, deren territoriale Integrität seit der türkischen Besetzung des Nordens 1974 ungeklärt ist. 

Cliffs Among Dreams folgt diesen Verbindungen, ohne sie zu einer linearen Erzählung zu ordnen. Kallinikou behandelt das Land nicht als stumme Fläche, über die Grenzen gezogen oder Nutzungen gelegt werden, sondern als Träger von Geschichten und Konflikten. Das Ökosystem ist von politischen Ordnungen durchdrungen, eignet sich den Ort aber zugleich an und formt ihn auf eine Weise, die sich territorialer Logik entzieht. 

Die Arbeit wird gemeinsam mit Susanne Kriemann . Im Fieber der Sonne flattern Schmetterlinge im Bauch als Doppelausstellung im Rahmen des After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize 26 erstmals bei C/O Berlin präsentiert. Kuratiert von Katharina Täschner. Es erscheint jeweils eine begleitende Publikation im Verlag Hartmann Books.

Dreamers bay, 2026
© Stelios Kallinikou
Biografie

Stelios Kallinikou (*1985, Zypern) ist ein bildender Künstler, dessen Arbeiten sich durch Fotografie, Video und Klang entfalten und introspektive Welten schaffen, die die Schnittstellen von Politik, Kolonialismus, Umwelt, Technologie, Spiritualität und der Macht von Bildern erforschen. Seine spekulativen Erzählungen hinterfragen Land und Körper sowohl als territoriale als auch ideologische Konstrukte. Er ist Mitbegründer und Leiter des Thkio Ppalies Project Space in Nikosia, Zypern, wo er lebt und arbeitet. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgestellt, unter anderem im Foam (Amsterdam), im Künstlerhaus Bethanien (Berlin), bei NiMAC, (Nicosia) und im Benaki-Museum (Athen), und waren auf bedeutenden Biennalen und in wichtigen Institutionen wie der Ural Industrial Biennial und der Staatlichen Kunsthalle Baden- Baden zu sehen. 

Der After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize ist ein gemeinsames Projekt der C/O Berlin Foundation und der Crespo Foundation. Jährlich ermöglicht der Preis die Umsetzung zweier rechercheintensiver Projekte und würdigt Künstler:innen oder Gruppen, die durch ihre Arbeit neue Konzepte von Natur in Fotografie und visuellen Medien erkunden. Der Preis umfasst ein Preisgeld von je 40.000 Euro, eine Ausstellung bei C/O Berlin und eine begleitende Publikation. Vom 26. Februar bis 23. Mai 2027 werden die Ausstellungen im Open Space der Crespo Foundation in Frankfurt am Main gezeigt. 

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