Adji Dieye Culture Lost and Learned by Heart

C/O Berlin Talent Award 2021
Von 11. Dezember bis 5. März
Aus der Vogelperspektive sieht man zwei Schwarze Hände, die in Fotografien stöbern, die auf dem Tisch liegen
Culture Lost and Learned by Heart, Memory, Video (14 min), Videostill © Adji Dieye

In unserem digitalen Zeitalter, in dem wir mehr Bilder produzieren und konsumieren als je zuvor in der Menschheitsgeschichte, ist das Archiv zum Klischee für die Verweigerung dieses Konsums geworden. Der C/O Berlin Talent Award 2021 nimmt sich einer jüngeren Strategie der erweiterten dokumentarischen Praxis an und zeichnet ein Projekt aus, das auf der Edition vorhandener Bilder basiert. 

Culture Lost and Learned by Heart der italienisch-senegalesischen Künstlerin Adji Dieye (*1991) tritt in einen kritischen Dialog mit der kolonialen Institution des Bildarchivs, das gemeinhin mit der visuellen Dokumentation von Geschichte assoziiert wird und als Torhüter historischer Wahrheit gilt. Das Projekt greift auf gefundenes Archivmaterial zurück und dekonstruiert in der Neulektüre die Hierarchien des nationalen ikonographischen Archivs von Senegal (Archives Nationales du Sénégal), in dessen Sammlungsgeschichte die französische Kolonialherrschaft eingeschrieben ist. Anhand von zusätzlichem, aktuellem Bildmaterial setzt sie sich darüber hinaus mit neuen Formen der Verdrängung und Ausgrenzung auseinander: inwieweit führt die visuelle Rahmung eines historischen Narrativs heute zur Ausübung politischer Kontrolle?

Biografie

Adji Dieye (*1991, IT/SEN) hat New Technologies for Art an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand studiert sowie einen Masterabschluss Bildende Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste absolviert. Ihre Arbeiten waren in internationalen Gruppenausstellungen bei FOAM Amsterdam (2020), der Kunsthalle Wien (2020) sowie der Afrikanischen Fotobiennale in Bamako in Mali (2019) und dem Lagos Photofestival (2017) zu sehen. C/O Berlin wird ihre erste institutionelle Einzelausstellung präsentieren. Adji Dieye lebt zwischen Mailand, Zürich und Dakar.

Emmanuel Iduma (*1989, NG) hat nach seinem Jura-Abschluss in Nigeria einen MFA in Art Criticism and Writing an der School of Visual Arts in New York absolviert. Neben eigenen schriftstellerischen Tätigkeiten, wie dem Reisebuch A Stranger‘s Pose, und Herausgeberschaften, widmet er seine Zeit kunstkritischen Texten, die in ARTNews, Art in America und dem British Journal of Photography erschienen und in Publikationen von Aperture, Artforum, The New York Review of Books und der Walther Collection publiziert worden. Für sein breites gesellschaftliches Wirken wurde Iduma 2020 als 40 under 40 Africa des Apollo International Art Magazines gelistet. Er lebt zwischen New York und Lagos.

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