Leonard Freed

Weltanschauung
19. Juli 2008 bis 05. Oktober 2008
© Marc Volk
© Marc Volk
© Marc Volk
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„Je mehrdeutiger eine Fotografie ist, umso besser ist sie. Andererseits wäre sie Propaganda.“

Leonard Freed Oft sind Fotografen Sprinter. Sie fangen ihre Motive schnell ein, um sich dann neuen Zielen hinzuwenden. So betrachtet ist Leonard Freed ein Langstreckenläufer, der seine Projekte über große Zeitspannen verfolgt hat. Seine Fotoreportagen haben Jahre bis zu ihrer Reifung in Anspruch genommen. Es ist sein ruhiger, respektvoller Blick auf das Leben und den Menschen, der fasziniert und die visuelle Kraft seiner prägnanten Langzeitstudien ausmacht. Diese dokumentieren eine Haltung, die am Besten mit „Concerned Photography“ beschrieben werden kann. Denn in Freeds Fokus standen nicht Stars, Katastrophen oder Spektakuläres, sondern alltägliche Situationen, sensible Porträts von Menschen in ihren jeweiligen gesellschaftlichen Zusammenhängen.

Fotografie war für Freed ein geeignetes Mittel, um die Welt besser zu verstehen – einerseits um seine eigene Identität zu finden, andererseits um soziale Interaktion und Strukturen zu entwirren und Klarheit zu erlangen. Die Kamera war sein chirurgisches Instrument, mit dem er nicht die Oberfläche abtastete, sondern grundlegende Realitäten suchte. So hat Freed chassidische Juden fotografiert, nicht weil er selber einer war – zwar als Jude geboren, jedoch nicht religiös –, sondern weil er einer von ihnen hätte sein können. Deutsche, um ihr gewalttätiges Handeln gegenüber den Juden zu verstehen. Schwarze, weil sie nicht als gleichberechtigte Bürger galten – ein Zustand, der Freed als amerikanischer Bürger störte und in dem er einen Sinn zu erkennen suchte. Die New Yorker Polizei als Gruppierung, die aufgrund der Fehler der Gesellschaft zum Opfer zwischen alle Fronten geriet