Walter Schels

16° Fische . Retrospektive
20. Jun – 2. Sep 2026
Schwarzes Schaf, 1984
© Walter Schels / Stiftung F.C. Gundlach

Anlässlich des 90. Geburtstags von Walter Schels zeigt C/O Berlin in Zusammenarbeit mit der Stiftung F.C. Gundlach die erste große Retrospektive des Fotografen in Berlin. Mit mehr als 300 Arbeiten eröffnet sie neue Einblicke in ein Werk, das sich über fast sieben Jahrzehnte erstreckt. Die Ausstellung führt zentrale Werkgruppen zusammen und richtet den Fokus auf eine bislang unbekannte Seite dieses OEuvres: das umfangreiche experimentelle Werk und transformatorische Ansätze, die Schels’ fotografische Praxis prägen – eine Entdeckung, die den Blick auf den Fotografen verändert. Die Auswahl der Werke basiert auf der Sichtung mehrerer Tausend Prints aus dem Archiv des Fotografen, das perspektivisch von der Stiftung F.C. Gundlach bewahrt und zugänglich gemacht wird.

 

Seit den späten 1960er-Jahren bewegt sich Schels zwischen dokumentarischer und künstlerischer Fotografie. Bekannt wurde er vor allem durch seine Schwarzweiß-Porträts, deren charakteristisch reduzierte, stark verdichtende Bildsprache er seit den 1980er-Jahren entwickelte. In Langzeitstudien und Porträtserien wie Blind, Noch mal leben oder trans* widmet er sich Grundfragen menschlicher Existenz, beschäftigt sich mit Präsenz und Wahrnehmung, mit Identität und existenziellen Übergängen. Schels richtet den Blick auf den unverstellten Ausdruck – von den Gesichtern Neugeborener bis zu Hundertjährigen, von bekannten Persönlichkeiten wie dem Dalai Lama bis zu unbekannten Menschen sowie von Tieren bis zu Pflanzen. Vor neutralem Hintergrund entstehen unmittelbar wirkende Begegnungen mit einem jeweils eigenständigen Gegenüber.

Tom, 18 Jahre, 2016, a.d.S. Trans*
© Walter Schels / Stiftung F.C. Gundlach
Empire State Building, Aufnahme 1968, analoge Fotomontage 1976
© Walter Schels / Stiftung F.C. Gundlach

Die Ausstellung lädt ein, diese bekannten Porträts und Serien in der Zusammenschau mit der anderen, parallel entstandenen, jedoch nie gezeigten Werkhälfte neu zu lesen. Einen frühen Ausgangspunkt für Schels‘ zweispuriges Arbeiten bilden die in den 1960er- und 1970er-Jahren in New York realisierten Serien. Neben Street Photography entstehen Nahaufnahmen von Kanaldeckeln, die das vermeintlich Funktionale in eine eigenständige Bildsprache überführen. Ansichten von Hochhäusern verdichten sich in analogen Fotomontagen, Doppelbelichtungen und Überzeichnungen zu surrealen urbanen Landschaften, die das Verhältnis von Individuum und Stadt ausloten.

Ein Bild ist für Schels nie fertig. Transformation erscheint sowohl als inhaltliches Motiv als auch als künstlerische Methode. Mit Übermalungen, Solarisationen und Collagen überschreitet er die Grenzen der Fotografie ins Malerische – bis hin zu aktuellen abstrakten Arbeiten, in denen er unmittelbar mit Fotochemikalien und Pflanzenfragmenten arbeitet und die Materialität des fotografischen Prozesses selbst zum Bildgegenstand macht. Wo immer es möglich ist, greift die Präsentation auf originale Handabzüge zurück, darunter großformatige Schwammentwicklungen und Abzüge, die Schels über die Jahre immer wieder mit unterschiedlichen Techniken überarbeitet hat.

Moisis Katze, No. 2, 1980
© Walter Schels / Stiftung F.C. Gundlach
Walter Schels, Selbstporträt, zweimal rechte Gesichtshälfte, 1985, a.d.S. Halbierungen
© Walter Schels / Stiftung F.C. Gundlach

Der Ausstellungstitel 16° Fische verweist auf Schels’ Geburtskonstellation. Zum Zeitpunkt seiner Geburt stand die Sonne im Tierkreiszeichen Fische bei 16 Grad. Für den Künstler ist dies eine poetische Selbstverortung, die sich mit Eigenschaften wie Sensibilität und Intuition verbindet und sein Interesse am Menschen und an existenziellen Fragestellungen widerspiegelt. Walter Schels versteht seine Arbeit als offenen Prozess.

Die Retrospektive Walter Schels . 16° Fische ist eine Einladung zum Weiterschauen. Kuratiert von Sophia Greiff (C/O Berlin), Beate Lakotta, Sebastian Lux und Franziska Mecklenburg (Stiftung F.C. Gundlach). Zur Ausstellung erscheint eine begleitende Publikation bei Steidl.

Biografie

Walter Schels (*1936 in Landshut) zählt zu den bedeutendsten Fotografen Deutschlands. Nach frühen Stationen als Schaufensterdekorateur in Barcelona, Genf und Toronto wandte er sich in New York der Fotografie zu. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1970 wurde er bekannt durch seine eindrücklichen Porträts von Persönlichkeiten wie Joseph Beuys, Angela Merkel oder dem Dalai Lama, sowie von Tieren und Blumen. Mit dokumentarischem Interesse an Extremsituationen des menschlichen Lebens realisierte er zahlreiche fotografische Serien und Langzeitprojekte. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hansel Mieth-Preis (2003) und dem World Press Photo Award (2004). Seine Fotografien sind in bedeutenden Sammlungen vertreten und wurden international ausgestellt – unter anderem in der Wellcome Collection in London (2008), dem Mori Art Museum Tokio (2009) und der Pinakothek der Moderne in München (2022). Walter Schels lebt und arbeitet seit 1990 in Hamburg.

In Zusammenarbeit mit
Ermöglicht durch
Medienpartner