Ökologien der Sichtbarkeit I
Teilnahme kostenfrei mit entsprechendem Ausstellungsticket (15/8 Euro); für beide Tage gültig
Anmeldung Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, an welchen Tagen Sie teilnehmen.
Tag 2
Ökologien der Sichtbarkeit II
26. Sep 15:00–19:00
1986 verwandelte Sigmar Polke den Deutschen Pavillon der Venedig Biennale in einen experimentellen Bildraum, in dem sich Farbpigmente, lichtempfindliche Substanzen und klimatische Bedingungen durchdrangen. Unter dem Titel Athanor verband er alchemistische Vorstellungen einer aktiven Natur mit fotografischen und malerischen Prozessen: Licht, Wärme, Feuchtigkeit und chemische Reaktionen wurden zu bildgebenden Kräften.
40 Jahre später nimmt eine zweitägige Veranstaltung bei C/O Berlin Polkes Biennale-Pavillon zum Ausgangspunkt, um der Aktualität dieser Versuchsanordnung nachzugehen. Wie verändert sich unser Verständnis von Bildern, wenn die Prozesse, durch die sie entstehen, von Umweltbedingungen beeinflusst sind? Was bedeutet es, Bilder als Träger ökologischer Veränderungen, technischer Eingriffe und fortwirkender Kontamination zu betrachten?
Die Veranstaltung findet im Rahmen von Sigmar Polke. Athanor NOW statt, einem internationalen Forschungs- und Vermittlungsprojekt der Anna Polke-Stiftung, und ist zugleich in den After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize von C/O Berlin und der Crespo Foundation eingebunden. In ihrer Ausstellung fragt Preisträgerin Susanne Kriemann anlässlich eines anderen 40. Jahrestags – der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 – nach dem Nachleben toxischer Reststoffe, radioaktiver Materialien und ihrer Spuren in Landschaften, Körpern und Bildern.
An einem Abend und einem Nachmittag kommen Künstler:innen, Kurator:innen und Wissenschaftler:innen ins Gespräch. Ausgehend von Polkes Experimentalsystem und seinen Verbindungen von Hermetik, Fotografie, Chemie und Materialforschung diskutieren sie, wie Bilder entstehen, wenn nicht Repräsentation, sondern Stoffumwandlung im Vordergrund steht; wenn Sichtbarkeit aus Prozessen hervorgeht, die selbst unsichtbar bleiben; und wenn künstlerische Praxis dem Material folgt, statt es auf eine vorgegebene Form festzulegen.
Eine Veranstaltung initiiert von Hans-Christian von Herrmann (TU Berlin, Fachgebiet Literaturwissenschaft) und Katja Müller-Helle (HU Berlin, Forschungsstelle „Das Technische Bild“).
Programm
Fr, 25. Sep 2026
18:00–18:30
Begrüßung
Katharina Täschner, Kuratorin, C/O Berlin
Sprache Deutsch
Einführung
Hans-Christian von Herrmann, TU Berlin /
Katja Müller-Helle, HU Berlin
Sprache Deutsch
18:30–20:00
Toxische Substanzen
Susanne Kriemann, Künstlerin /
Eva Wilson, Kuratorin, Skulptur Projekte Münster
Sprache Deutsch
Hans-Christian von Herrmann ist Literatur- und Kulturwissenschaftler. Er ist seit 2011 Professor am Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte der TU Berlin. In Forschung und Lehre widmet er sich dem Zusammenwirken von Wissen, Technik und Ästhetik in den Verfahren moderner Literatur- und Kunstproduktion.
Katja Müller-Helle ist Kunst- und Medienwissenschaftlerin. Sie ist Leiterin der Forschungsstelle „Das Technische Bild“ am Institut für Kunst- und Bildgeschichte und am Institut für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie war Fellow am Getty Research Institute in Los Angeles und an der Bibliotheca Hertziana in Rom. Sie beschäftigt sich mit digitalen Bildkulturen und Bildzensur, der Geschichte und Theorie der Fotografie und Verfahren der bildlichen Evidenzerzeugung.
Susanne Kriemann ist Künstlerin und Professorin für Code & Image an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Ihre Arbeit basiert auf einem erweiterten Verständnis des fotografischen Dokuments und untersucht Landschaften als Aufzeichnungssysteme menschengemachter Prozesse. Dabei verbindet sie ökologische, archäologische und geologische Perspektiven. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem in Graz, Leipzig, Wien, Hamburg, Berlin sowie auf zahlreichen Biennalen.
Eva Wilson ist Kuratorin bei den Skulptur Projekten Münster 2027 mit einem Schwerpunkt auf Publikationen. Als Autorin, Editorin und Kuratorin beschäftigt sie sich vor allem mit dem Publizieren als künstlerischer Praxis. Zuvor arbeitete sie unter anderem für die documenta 14 in Athen und Kassel, den Schinkel Pavillon in Berlin und Thyssen-Bornemisza Art Contemporary in Wien. Gemeinsam mit Anna Gritz gab sie Margaret Raspé. Automatik heraus; mit Adam Gibbons editiert sie die Buchreihe “ ” (quotation mark quotation mark) bei NERO.
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