After Nature Prize 2024

C/O Berlin freut sich, die ersten Gewinner:innen des After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize 2024 bekanntzugeben: Laura Huertas Millán (*1983, Kolumbien) und Sarker Protick (*1986, Bangladesch) wurden als erste Preisträger:innen ausgewählt. Die Doppelausstellung wird vom 14. Sep 2024 – 23. Jan 2025 erstmals bei C/O Berlin im Amerika Haus zu sehen sein. Anschließend zieht sie ab Februar 2025 in den Open Space der Crespo Foundation in Frankfurt am Main.

© Renato Cruz Santos

Laura Huertas Millán

Laura Huertas Millán beschäftigt sich in ihrer ausgezeichneten Multikanal-Projektion mit den kulturellen, medizinischen und rituellen Anwendungen der Cocapflanze weit vor der erstmaligen Herstellung von Kokain im Europa des 19. Jahrhunderts. Ausgehend von dem Verbot der Pflanze im Zuge der spanischen Kolonisierung Lateinamerikas entwickelt sie ein spekulatives Narrativ, in dessen Zentrum eine Gruppe Frauen steht, die im 17. Jahrhundert heimlich Cocablätter verteilten. Als Reaktion auf die Abwesenheit von Archiven nutzt die Künstlerin die Fiktion als Strategie und imaginiert eine fragmentarische Erzählung die koloniale Vereinnahmung der Natur und die Rolle des Widerstands gegen diese Vereinnahmung.

Para la coca © Laura Huertas Millán

Sarker Protick

Sarker Protick erforscht in seinem prämierten Projekt die tiefgreifenden menschengemachten Veränderungen auf dem indischen Subkontinent. Mit Blick auf das historische Gebiet Bengalens, das sich heute über Indien und Bangladesch erstreckt, überträgt er die Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte des British Empire in eine fotografische Untersuchung der Gegenwart. Dabei gilt sein Interesse dem Ausbau von Eisenbahnverbindungen und der Ausweitung des Kohlebergbaus im 19. Jahrhundert. Auf Reisen durch Bangladesch und Indien entsteht ein fotografischer Korpus, der in Sarker Proticks oft präziser und atmosphärischer Bildsprache die globale, geopolitische und historische Dimension des Imperialismus als Ursprung des Anthropozän und dessen Einfluss auf die Klimakrise adressiert.

© Tanjimul Tuhin
From the series Iron Path, 2023–ongoing © Sarker Protick
© C/O Berlin Foundation, David von Becker

Die Jury

Mitglieder der Jury waren Lewis Chaplin (Mitgründer, Loose Joints Publishing), Martin Guinard (Kurator, LUMA Arles), Hajra Haider Karrar (Kuratorin, SAVVY Contemporary), Iris Sikking (Kuratorin Fotomuseum Den Haag), Olga Smith (Newcastle University) sowie Christiane Riedel (Vorstand, Crespo Foundation), Sophia Greiff (Co-Programmleitung, C/O Berlin Foundation) und Katharina Täschner (Junior-Kuratorin, C/O Berlin Foundation). Die Entscheidung fiel einstimmig und erfolgte auf Basis der Nominierungen von 15 internationalen Expert:innen.

Über den Preis
Ein neuer Blick auf die Natur

Mit der Einsicht, dass das Leben und Wirtschaften im globalen Kapitalismus das Ökosystem der Erde irreversibel verändert, sind zahlreiche gängige Vorstellungen von Natur ins Wanken geraten. Die Auswirkungen der Klimakrise zeigen, dass Natur im 21. Jahrhundert nicht länger 'natürlich' ist, sondern in jeglicher Hinsicht durch menschliches Handeln berührt. Wie blicken wir heute also auf eine Natur, deren Zustand untrennbar mit den sozialen und politischen Ausprägungen unserer Lebensweisen verwoben ist?

Gemeinsam mit der Crespo Foundation verleiht C/O Berlin ab 2024 den After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize. Benannt nach der Stifterin und Fotografin Ulrike Crespo (1950–2019), würdigt der Preis internationale Künstler:innen, die anhand von Fotografie und Lens-Based Media auf die veränderten Ökologien der Gegenwart reagieren.

Förderprogramm
Projekte fördern, Perspektiven verbinden

Der After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize wird jährlich an zwei Einzelpersonen oder Gruppen mit fortgeschrittener Ausstellungs- und Publikationspraxis ab 35 Jahre vergeben. Die internationale Auszeichnung ermöglicht die Umsetzung neuer Projekte zum Thema 'Fotografie nach der Natur'. Sie ist mit einem Preisgeld von 40.000€ pro Gewinner:in dotiert und mit einer Ausstellung bei C/O Berlin, einer gemeinsamen Publikation sowie der kuratorischen und inhaltlichen Begleitung des Konzeptionsprozesses verbunden.

Künstler:innen werden durch eine Gruppe von Expert:innen für den Preis nominiert und zur Bewerbung eingeladen. Initiativbewerbungen sind nicht möglich. Im Anschluss zeichnet eine international besetzte Jury zwei der eingegangenen Konzepte aus. Der Preis wird von Junior-Kuratorin Katharina Täschner betreut. Die ersten Gewinner:innen werden Anfang 2024 bekanntgegeben.

Themenschwerpunkt
Fotografie nach der Natur

Das Thema 'Fotografie nach der Natur' eröffnet eine doppelte Perspektive auf die Beziehung von Fotografie und Natur: Einerseits verweist es auf eine Welt 'nach der Natur', in der das Verhältnis von Mensch, Umwelt und Technik einem tiefgreifenden Wandel unterworfen ist. Andererseits bezieht sich das Thema auf die Fotografie als ein Medium, in dem das Verhältnis zur Welt seit jeher dokumentiert, konstruiert und ausgehandelt wird. Dies spiegelt sich auch in der historischen Formulierung 'Fotografie nach der Natur', die im 19. Jahrhundert häufig genutzt wurde, um den besonderen Bezug der Fotografie zur Welt zu betonen.

Ein gemeinsames Projekt mit