VALIE EXPORT

Retrospektive
27. Jan 2024 – 21. Mai 2024
Aktionshose: Genitalpanik, 1969, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac © VALIE EXPORT, VG Bild-Kunst, Bonn 2023; Foto: Peter Hassmann, VG Bild-Kunst, Bonn 2023

Die Ausstellung würdigt das vielschichtige Schaffen einer der international einfluss-reichsten Medien- und Performancekünstler:innen des 20. Jahrhunderts: VALIE  EXPORT (*1940) hat mit ihrer medienreflexiven Praxis und ihrer kritischen feministi­schen Perspektive unerschrocken gesellschaftliche Normen und Rollenbilder herausgefordert.

VALIE EXPORT – SMART EXPORT, Selbstportrait, 1970
VALIE EXPORT – SMART EXPORT, Selbstportrait, 1970, ALBERTINA, Wien © VALIE EXPORT, VG Bild-Kunst, Bonn 2023; Foto: Gertraud Wolfschwenger © VG Bild-Kunst, Bonn 2023
Verletzungen I, 1972, ALBERTINA, Wien – The ESSL Collection © VALIE EXPORT, VG Bild-Kunst, Bonn 2023; Foto: Hermann Hendrich

Die Retrospektive gewährt einen umfassenden Einblick in das künstlerische Wirken von VALIE EXPORT und präsentiert Werke, die zwischen 1966 und 2009 entstanden sind. Durch ihre aufsehenerregenden Aktionen im öffentlichen Raum in den späten 1960er Jahren erlangte die mittlerweile als Ikone der feministischen Kunst gefeierte Filmemacherin, Performance- und Medienkünstlerin Bekanntheit. Die Ausstellung spannt den Bogen von den provokanten Expanded-Cinema-Aktionen über symbolträchtige Performances und analytische Konzeptfotos bis hin zu multimedialen Installationen und urbanen Interventionen. Sie verdeutlichen die vielseitige Entwicklung einer Künstlerin, deren Arbeiten bis heute aktuell sind und vielfach wichtige Referenz für gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen wurden.

Die Ausstellung zeigt viele von EXPORTs bahnbrechenden Arbeiten, wie etwa das TAPP und TASTKINO (1968), eine frühe Expanded-Cinema-Aktion, bei der die Künstlerin eine als „Kinosaal“ dienende Box vor ihren nackten Oberkörper schnallt und Passant:innen einlädt, für eine exakt definierte Zeitdauer ihre Brust zu berühren, wodurch der voyeuristische Blick auf den weiblichen Körper hinterfragt wird. Zu sehen ist auch die legendäre Aktion Aus der Mappe der Hundigkeit (1968), bei der EXPORT ihren damaligen Partner Peter Weibel wie einen Hund an einer Leine durch das Zentrum von Wien führt, um traditionelle Geschlechterverhältnisse zu hinterfra­gen und menschliches Verhalten mittels Tiervergleich zu untersuchen.

TAPP und TASTKINO, 1968, ALBERTINA Wien – The ESSL Collection © VALIE EXPORT, VG Bild-Kunst, Bonn 2023; Foto: Werner Schulz
BODY SIGN B, 1970, ALBERTINA, Wien © VALIE EXPORT, VG Bild-Kunst, Bonn 2023; Foto: Gertraud Wolfschwenger © VG Bild-Kunst, Bonn 2023

VALIE EXPORTs multidisziplinäres Werk entzieht sich jeglichen Zu- und Festschreibungen und durchbricht mediale Grenzen und Genres. Neben dem eigenen Körper umfasst es Fotografien, Zeichnungen, Videos und Installation. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Relevanz der Fotografie im Schaffen der Künstlerin. Ob zu dokumentarischen Zwecken, als Experiment oder als eigenständiges Werk, spielt diese eine zentrale Rolle. EXPORT formuliert ihre Analyse von Massenmedien und Abbildungsprozessen ausdrücklich als feministische Kritik, um die Rolle der Frau, ihre gesellschaftliche Marginalisierung und die Repräsentation des weiblichen Körpers in einer patriarchalen Gesellschaft zu untersuchen.

VALIE EXPORT . Retrospektive bietet seit Langem die erste umfassende institutio­nelle Einzelpräsentation des facettenreichen Werks der Künstlerin. Die Ausstellung wird von Gastkurator Walter Moser (ALBERTINA, Wien) in Zusammenarbeit mit Boaz Levin (C/O Berlin Foundation) kuratiert. Sie war zuvor im ALBERTINA Museum Wien und im Fotomuseum Winterthur zu sehen und wird von einem Katalog begleitet.

Aus der Mappe der Hundigkeit, 1968, Gemeinsam mit Peter Weibel, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac © VALIE EXPORT, VG Bild-Kunst, Bonn 2023; Foto: Joseph Tandl
Biografie

VALIE EXPORT (*1940, Österreich) zählt zu den führenden Pionier:innen der internationalen konzeptuellen Medien-, Performance- und Filmkunst. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Linz, schloss sie 1964 die Höhere Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie in Wien ab. 1967 kreierte sie ihren ausschließlich in Versalien geschriebenen Künstlerinnennamen, um eine neue Identität zu etablieren und sich von dem Namen ihres Vaters und ihres einstigen Ehemannes zu befreien. Ihr OEuvre umfasst u.a. Videos, Installationen, Performances, Filme, Expanded-Cinema-Arbeiten und konzeptuelle Fotografien. Schon früh kuratierte sie Ausstellungen mit feministischem Schwerpunkt, wie zum Beispiel MAGNA. Feminismus: Kunst und Kreativität (1975). EXPORT war an internationalen Ausstellungen wie der Biennale in Venedig (1980), documenta 6, documenta 12, Biennale KOCHI, 2018, und Biennale MOSKAU, 2019, vertreten. Ihre Werke wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen im Centre Pompidou, Paris; The Museum of Modern Art, New York; Tate Modern, London uvm. präsentiert. Ihre Arbeiten befinden sich in vielen dieser Sammlungen. Sie unterrichtete unter anderem am Art Institute in San Francisco, der University of Wisconsin, Milwaukee/USA, und der Hochschule der Künste, Berlin. Seit 2003 ist VALIE EXPORT Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, Sektion Bildende Kunst und hatte bis 2005 eine Professur für Multimedia-Performance an der Kunsthochschule für Medien Köln inne. 2015 wurde das VALIE EXPORT Center in Linz gegründet. 

CHATS & TRACKS

Entdecke unseren neuen Podcast CHATS & TRACKS. In dieser Folge spricht Moderatorin Johanna Schmidt von ByteFM mit VALIE EXPORT

VALIE EXPORT reflektiert über die Entwicklung des Feminismus im Laufe der Zeit und wirft einen Blick auf eine Phase, in der er zwar in Frauen- und Modezeitschriften präsent war, jedoch im realen Leben nicht ausreichend verankert schien. Sie spricht über ihre künstlerischen Werke, darunter das TAPP und TASTKINO sowie die Aktionshose: Genitalpanik, und beleuchtet, wie diese damals von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. VALIE teilt außerdem ihre Gedanken zu aktuellen Themen wie dem gesellschaftlichen Wandel und betont die Bedeutung von Kunst, soziale und politische Zustände zu präsentieren. Sie hofft darauf, dass Kunst Utopien in sich trägt.

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